{"id":4996,"date":"2020-05-06T14:05:25","date_gmt":"2020-05-06T12:05:25","guid":{"rendered":"http:\/\/wanderwonder.de\/?p=4996"},"modified":"2020-05-06T19:31:39","modified_gmt":"2020-05-06T17:31:39","slug":"das-leben-in-zeiten-der-stille","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/2020\/05\/06\/das-leben-in-zeiten-der-stille\/","title":{"rendered":"Das Leben in Zeiten der Stille"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1922\" data-attachment-id=\"5011\" data-permalink=\"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/2020\/05\/06\/das-leben-in-zeiten-der-stille\/p1000186\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000186-scaled.jpg?fit=2560%2C1922&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"2560,1922\" data-comments-opened=\"0\" data-image-title=\"P1000186\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000186-scaled.jpg?fit=620%2C466&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000186-scaled.jpg?fit=620%2C466\" alt=\"\" class=\"wp-image-5011\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000186-scaled.jpg?w=2560&amp;ssl=1 2560w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000186-scaled.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000186-scaled.jpg?resize=1024%2C769&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000186-scaled.jpg?resize=1536%2C1153&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000186-scaled.jpg?resize=2048%2C1538&amp;ssl=1 2048w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000186-scaled.jpg?resize=506%2C380&amp;ssl=1 506w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000186-scaled.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000186-scaled.jpg?w=1860&amp;ssl=1 1860w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und, habt ihr schon den Lagerkoller, den Balkongarten neu entdeckt oder freut euch \u00fcber die neu gewonnene Freiheit im pers\u00f6nlichen &#8220;Was-ich-alles-nicht-verpassen-darf&#8221;- Terminkalender? Ich pers\u00f6nlich komme ganz gut mit dem neuen Leben klar, aber ich habe ja auch gut reden als systemrelevante Teilzeit-Biob\u00e4uerin, die tandembedingt an Isolation mit Daniel gewohnt ist und eh schon immer gern auf dem Balkon \u00fcbernachtet hat, wenn die Berge fern waren. Aber was ist mit den Menschen, die mit Tod, Jobverlust und Existenz\u00e4ngsten zu k\u00e4mpfen haben? Ein Einblick in unser Leben in Zeiten der Stille.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das stille \u00d6rtchen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Lustig, bevor ich anfange diesen Absatz zu schreiben, war ich nochmal schnell auf der Toilette und rupfe grinsend das letzte Fitzelchen Toilettenpapier von der Rolle. Ich zelebriere das Aufh\u00e4ngen der neuen Rolle mit Bedacht. Schliesslich hat es uns zwei Wochen gekostet, bis wir wieder Klopapier gekauft haben, nachdem der Lockdown angesagt war. Auf unserer geteilten Einkaufslise blieb das Feldchen vor &#8220;Toilettenpapier&#8221; hartn\u00e4ckig leer, obwohl Daniel und ich ja ganz normal einkaufen waren. Aber wir haben uns regelm\u00e4ssig abends daran erinnert, dass der andere doch mal Toipapier kaufen solle. Und haben dar\u00fcber gelacht, dass es uns schlicht und einfach peinlich ist jetzt Toilettenpapier zu kaufen. Man will ja schliesslich nicht als Hamsterk\u00e4ufer tituliert werden. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe viele h\u00e4mische Kommentare \u00fcber diese geh\u00f6rt. Dabei muss ich sagen: Angst ist ein starkes Gef\u00fchl. Wenn man sich davon leiten l\u00e4sst, dann passieren eben solche Dinge und andere Menschen haben vielleicht nicht wie ich in Indonesien gewohnt, wo man eh kein Toipapier braucht, weil man einen Schlauch an jedem WC hat, mit welchem man sich bequem alles m\u00f6glich vom Hintern wischen kann und dann in die Achsamkeits\u00fcbung startet einfach noch einen Moment auf der Toilette sitzen zu bleiben, tatenlos, bis der Allerwerteste getrocknet ist und man seine Unterb\u00fcxe wieder hochziehen kann. Da wir in einer Mietwohnung leben, war das allerdings keine Option, weil wir ein Loch in den Badschrank h\u00e4tten bohren m\u00fcssen, um eine weitere Leitung in die Toilette legen zu k\u00f6nnen. Ausserdem gilt in unserer Welt die linke Hand nicht als unrein, wie das in Indonesien ist. Weil diese eben in direkten Kontakt mit allem &#8220;Dreckigen&#8221; kommt. So haben wir also auch wieder Toipapier gekauft. Obwohl wir in Usbekistan gelernt haben, dass auch Zeitung geht \u2013 auch wenn das eine harte Schule war f\u00fcr einen gepudderten Mitteleurop\u00e4er-Po, der obendrein noch vom Radfahren gschunden war. Ging aber auch. Andere Perspektiven helfen also aus so manchem Dilemma.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2048\" height=\"1536\" data-attachment-id=\"5012\" data-permalink=\"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/2020\/05\/06\/das-leben-in-zeiten-der-stille\/imgp7772\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMGP7772.jpg?fit=2048%2C1536&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"2048,1536\" data-comments-opened=\"0\" data-image-title=\"IMGP7772\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMGP7772.jpg?fit=620%2C465&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMGP7772.jpg?fit=620%2C465\" alt=\"\" class=\"wp-image-5012\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMGP7772.jpg?w=2048&amp;ssl=1 2048w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMGP7772.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMGP7772.jpg?resize=1024%2C768&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMGP7772.jpg?resize=1536%2C1152&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMGP7772.jpg?resize=507%2C380&amp;ssl=1 507w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMGP7772.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMGP7772.jpg?w=1860&amp;ssl=1 1860w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><figcaption>Irgendwo in Indonesien &#8211; 12 Jahre zuvor<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Kampf mit der Lust<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daniel und ich stehen mit gepackten Satteltaschen noch in der Wohnung vor der T\u00fcr. Wir schauen uns an, lassen die Taschen los und schleichen zur\u00fcck ins Wohnzimmer. Es ist Samstag und wir waren gerade auf dem Weg uns mit dem Tandem irgendwo in die B\u00fcsche zu schlagen, um unserer Wanderlust nachzugehen. W\u00e4re jetzt nicht Corona, w\u00fcrden wir wahrscheinlich gerade einen Berg hochschnaufen (ich) beziehungsweise quasselnd erklimmen (Daniel). Da es aber eben andere Zeiten sind und alle angehalten sind sich selbst einzuschr\u00e4nken und zuahuse zu bleiben, finden wir es einfach nicht richtig vor der Nase unserer Nachbarn mit vollgepacktem Tandem loszutreten. Wir diskutieren hin und her: &#8220;Ja, aber tun wir denn jemandem weh? Wir benutzen keine \u00d6ffis, kein Auto, wir kommen mit niemandem in Kontakt im Wald.&#8221; Auf der anderen Seite: &#8220;Was, wenn auch andere durch unserer Beispiel verf\u00fchrt werden?&#8221; Die Sonne wandert f\u00fcr uns \u00fcber den Himmel und irgendwann beschliesen wir ein Picknick auf dem Balkon zu machen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1922\" data-attachment-id=\"5014\" data-permalink=\"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/2020\/05\/06\/das-leben-in-zeiten-der-stille\/p1000167\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000167-scaled.jpg?fit=2560%2C1922&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"2560,1922\" data-comments-opened=\"0\" data-image-title=\"P1000167\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000167-scaled.jpg?fit=620%2C466&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i2.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000167-scaled.jpg?fit=620%2C466\" alt=\"\" class=\"wp-image-5014\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000167-scaled.jpg?w=2560&amp;ssl=1 2560w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000167-scaled.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000167-scaled.jpg?resize=1024%2C769&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000167-scaled.jpg?resize=1536%2C1153&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000167-scaled.jpg?resize=2048%2C1538&amp;ssl=1 2048w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000167-scaled.jpg?resize=506%2C380&amp;ssl=1 506w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000167-scaled.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000167-scaled.jpg?w=1860&amp;ssl=1 1860w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sonne scheint und streichelt unsere Winterhaut, die V\u00f6gel zwitschern und wir beschliessen nach dem Essen ins Ap\u00e9ro \u00fcberzugehen und stellen fest: &#8220;Auch mal ganz sch\u00f6n zuhause zu sein.&#8221; Gegen Abend packen wir unsere Matten und Schlafs\u00e4cke wieder aus den Radtaschen und richten unser Nachtbiwak auf dem Balkon ein. Vorher spielen wir noch ein paar Brettspiele und Essen an einem Tisch zu Abend. &#8220;Glamping&#8221;&nbsp; &#8211; glamorous Camping tut uns auch mal gut, finden wir. Als ich in meinem Hochtourenschlafsack einmumifiziert bin, atme ich die frische Luft ein und bin ganz zufrieden mit dem Tag.&nbsp; Ausserdem erinnert mich das Ganze an meine Jugend. Da bin ich mit meiner lieben Freundin auch immer auf deren Balkon gelegen und habe den Nachthimmel angestarrt. Das einzige, was ich echt nicht mehr brauche sind die Kolonien von Weberknechten, die nachts \u00fcber unsere Gesichter gewandert sind. Man kann ja gern von meiner Spucke trinken, dann aber bitte so, dass ich nicht dauernd aufwache, weil man mir \u00fcber die Wange krabbelt. &nbsp;Und wenns dumm gelaufen ist, war mein Reflex schneller als das Tierchen, welches dann leider zerquetscht wurde. Ich frage mich, ob es auf unserem Balkon wohl auch eine Spinnenfamilie gibt, bevor ich muckelig einschlafe.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Systemrelevanz mal anders<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sp\u00e4testens nach der Finanzkrise 2008 wissen wir alle genau, wer systemrelevant ist. Damals wurden Milliarden Steuergelder dazu veruntreut (aus meiner Sicht), um marode Banken und deren spiels\u00fcchtigen Managern den Popo zu retten. H\u00e4tte man so ein paar Banken hopps gehen lassen und das Geld in Infrastruktur investiert, dann w\u00e4ren wir wohl heute an einem anderen Platz. Aber hey, das ist ja nur meine Sicht als Hobby-\u00d6konomin.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus meiner Sicht als neuerdings systemrelevante Teilzeit-Biob\u00e4uerin finde ich es wunderbar, dass das medizinische Personal, die B\u00e4uerinnen und Bauern, die LKW-Fahrer und die Kassiererinnen und Kassier in kleinen und grossen Lebensmittell\u00e4den neuerdings auch gelobt werden. Anerkennung erfahren. Wird auch Zeit. Denn diese h\u00e4ufig arg unterbezahlten Jobs reichen manchmal kaum, um den Lebensunterhalt einer Familie zu bestreiten und trotzdem sitzen, spritzen und fahren und ackern diese Menschen h\u00e4ufig \u00fcber 50 Stunden in der Woche, um unsere wahren Grundbed\u00fcrfnisse zu stillen: Gesundheit, Nahrungsmittel, Wasser, W\u00e4rme, etc. Gut, dass wir daran mal erinnert werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" data-attachment-id=\"5019\" data-permalink=\"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/2020\/05\/06\/das-leben-in-zeiten-der-stille\/img_2535\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2535-scaled.jpg?fit=2560%2C1920&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"2560,1920\" data-comments-opened=\"0\" data-image-title=\"IMG_2535\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2535-scaled.jpg?fit=620%2C465&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2535-scaled.jpg?fit=620%2C465\" alt=\"\" class=\"wp-image-5019\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2535-scaled.jpg?w=2560&amp;ssl=1 2560w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2535-scaled.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2535-scaled.jpg?resize=1024%2C768&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2535-scaled.jpg?resize=1536%2C1152&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2535-scaled.jpg?resize=2048%2C1536&amp;ssl=1 2048w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2535-scaled.jpg?resize=507%2C380&amp;ssl=1 507w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2535-scaled.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2535-scaled.jpg?w=1860&amp;ssl=1 1860w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich selbst arbeite gerade fast jeden Tag, auch samstags. Und ich mache es gern. Wir haben einen Lieferdienst auf die Beine gestellt, weil erstens ein grosser Teil des Einkommens des Hofes von der Direktvermarktung des Gem\u00fcses auf dem Wochenmarkt abh\u00e4ngt und weil wir finden genau jetzt brauchen die Menschen frisches Bio-Gem\u00fcse, um das Immunsystem zu st\u00e4rken. Zu Ostern haben wir den Karfreitag durchgepackt, um am Ostersamstag liefern zu k\u00f6nnen. Die vielen, lieben Kommentare unserer Kund*Innen freuen uns m\u00e4chtig und wir machen weiter, auch wenn die Gem\u00fcsekistenpackerei einer logistischen Eierei gleicht, bei 97 zu packenden Kisten, bei dem zuerst jedes Spinatblatt abgerupft, gewaschen und dann liebevoll in eine Kiste gepackt werden will. So wie die mehr als 40 anderen Produkte, die wir verkaufen und von denen der allermeiste Teil von unseren Feldern stammt. Nebenher erwacht auch der Fr\u00fchling. Die Kartoffeln lechzen mit kleinen violetten Trieben danach endlich in die dunkle Erde gebuddelt zu werden, die R\u00fceblisamen tanzen Polonaise, um endlich in die Erde gestreut zu werden und unsere Radieschen schieben ihre prallen K\u00f6rper obsz\u00f6n weit aus der Erde, um endlich in einen Mund zu wandern. Und das alles muss irgendwie von 4-6 Leuten gehanndelt werden, von denen manche zwar keine Schreibtischh\u00e4nde mehr haben (ich), daf\u00fcr aber keine Ahnung vom Pflanzen, die super Traktor fahren k\u00f6nnen, aber nicht wirklich deutsch sprechen (unsere polnischen Mitarbeiter) und mein Chef Bruno, der zwar alles kann, aber gar nicht weiss wo er anfangen soll. So schieben wir unsere 10-12 Stunden Schichten und versuchen alles irgendwie zu pfl\u00fcgen, anzupflanzen, zu pflegen und zu ernten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1922\" data-attachment-id=\"5015\" data-permalink=\"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/2020\/05\/06\/das-leben-in-zeiten-der-stille\/p1000225\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000225-scaled.jpg?fit=2560%2C1922&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"2560,1922\" data-comments-opened=\"0\" data-image-title=\"P1000225\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000225-scaled.jpg?fit=620%2C466&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000225-scaled.jpg?fit=620%2C466\" alt=\"\" class=\"wp-image-5015\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000225-scaled.jpg?w=2560&amp;ssl=1 2560w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000225-scaled.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000225-scaled.jpg?resize=1024%2C769&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000225-scaled.jpg?resize=1536%2C1153&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000225-scaled.jpg?resize=2048%2C1538&amp;ssl=1 2048w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000225-scaled.jpg?resize=506%2C380&amp;ssl=1 506w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000225-scaled.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/P1000225-scaled.jpg?w=1860&amp;ssl=1 1860w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das klingt jetzt vielleicht nach Corona Ausnahmezustand. Ist es aber nicht. Um ein Einkommen von 4.500 CHF&nbsp; (alle Deutschen japsen jetzt entsetzt nach Luft \u2013 ist aber hier in der Schweiz ein eher niedriges Einkommen im Vergleich zu einem durchschnittlichen Pro-Kop-Einkommen von 6000 CHF) zu erzielen, muss ein Arbeiter in der Landwirtschaft 55 Stunden Regelarbeitszeit leisten (jetzt japsen hoffentlich alle mal nach Luft). Das ist auch der Grund warum H\u00f6fe, wie die von Bruno zunehmend verschwinden \u2013 weil es f\u00fcr die Kleinen einen zu grossen Aufwand bedeutet die Direktzahlungen (Subventionen) zu beantragen. Das kennt man ja aus der EU, in der man entweder seinen Hof vergr\u00f6ssert und daraus das macht, was kein Kunde will oder&nbsp; eben \u2013 aufgibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da finde ich es doch \u00e4usserst Erw\u00e4hnenswert, dass Bruno die Krise nicht ausnutzt und seine Kartoffeln f\u00fcr 4 Franken pro St\u00fcck vertickt, sondern dass er bei 3,90 CHF\/ Kilo bleibt, weil er eines schon immer als seine Aufgabe gesehen hat: Menschen mit gesunden Nahrungsmitteln versorgen. Krise oder nicht. Als ich ihn bei unserer ersten chaotischen Kistenaktion frage, wie wir das mit dem Bezahlen machen wollen sagt er: &#8220;Jetzt lieferst du das Zeugs erstmal aus und dann machen wir am Ende des Monats eine Sammelrechnung.&#8221; Chapeau. Er muss eh bereits immer erst in Vorleistung gehen mit Samen, Setzlingen, Biod\u00fcnger, Benzin etc., um das Gem\u00fcse produzieren zu k\u00f6nnen und dann d\u00fcrfen die Kund*Innen auch noch bezahlen, wenn das Gem\u00fcse bereits verspeist ist.&nbsp; Auch an die \u00e4lteren Kund*innen denkt er: &#8221; Wir liefern im Fall dann denen \u00fcber 60 auf jeden Fall nach Hause!&#8221; Ich rolle die Augen und erkl\u00e4re ihm, dass die Leute vielleicht auch mal gern nen Spaziergang machen und dass auch andere unter 60 zur Risikogruppe geh\u00f6ren k\u00f6nnten. Er gibt meckernd klein bei und so organisieren sich unsere Kund*innen so, dass alle irgendwie an ihr Gem\u00fcse kommen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"2560\" data-attachment-id=\"5016\" data-permalink=\"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/2020\/05\/06\/das-leben-in-zeiten-der-stille\/img_2534\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2534-scaled.jpg?fit=1920%2C2560&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1920,2560\" data-comments-opened=\"0\" data-image-title=\"IMG_2534\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2534-scaled.jpg?fit=620%2C827&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2534-scaled.jpg?fit=620%2C827\" alt=\"\" class=\"wp-image-5016\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2534-scaled.jpg?w=1920&amp;ssl=1 1920w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2534-scaled.jpg?resize=225%2C300&amp;ssl=1 225w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2534-scaled.jpg?resize=768%2C1024&amp;ssl=1 768w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2534-scaled.jpg?resize=1152%2C1536&amp;ssl=1 1152w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2534-scaled.jpg?resize=1536%2C2048&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2534-scaled.jpg?resize=285%2C380&amp;ssl=1 285w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2534-scaled.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2534-scaled.jpg?w=1860&amp;ssl=1 1860w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nochmal zur\u00fcck zu meiner Kritik am System: Mir war das ehrlich gesagt nicht so bewusst, aber eine Menge Bauern und B\u00e4uerinnen stehen immer knapp vor dem Burn-out, weil sie so viel arbeiten m\u00fcssen, um Leben zu k\u00f6nnen. Dabei will ich als Kundin doch, dass die Menschen, die das Gem\u00fcse f\u00fcr mich anbauen sich nicht selbst ausbeuten m\u00fcssen, um mir das liefern zu k\u00f6nnen. Bruno hat das mit seiner Direktvermakrtung ganz gut im Griff \u2013 obwohl ich immernoch finde, dass er ganz sch\u00f6n ranklotzt mit seinen 62 und zwei neuen H\u00fcften. Wie es in Teilen von Frankreich und Deutschland aussieht, hat mir <a href=\"https:\/\/www.arte.tv\/de\/videos\/090637-003-A\/re-burnout-auf-dem-bauernhof\/\">dieser Arte-Bericht<\/a> gezeigt. Ich lege ihn allen ans Herz, die immernoch glauben Bauernhof w\u00e4re eine andere Bezeichnung f\u00fcr Ponyhof und ein einziges Idyll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So ich hab fertig gewettert, jetzt mal wieder eine positive Seite des Ganzen:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Man sieht mich<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich schiebe meinen klapprigen Stadt-Drahtesel die Tiefgarageneinfahrt hoch. Als ich einen Moment in der Sonne stehen bleibe, um die W\u00e4rme zu geniessen, blicke ich schr\u00e4g nach links unten und erblicke den Zwerg, der gern mit seinem Velo auf der Wendeplatte seine Kreise zieht. Er ist ein blondes Kind, so um die vier und geht meist v\u00f6llig in seiner Radlerei auf. Doch seit Corona ist viel weniger los auf der Wendeplatte und ich glaube er denkt es ist das erste Mal in seinem Leben, dass er mich sieht. Ich lege den Kopf schr\u00e4g und halte seinem kritischen Blick stand. Er macht einen Schmollmund, hebt sein kleines K\u00f6pfchen noch ein wenig an und aus seinem bis dahin zusammengekniffenen Mund kommt ein kurzes &#8220;Hoi!&#8221;.&nbsp; Ich grinse ihn an und antworte : &#8220;Hoooiiiii&#8221; in einem sanft abfallenden Ton. Er nickt zufrieden und tritt davon. Ich steige auf mein eigenes Rad und denke: &#8220;Krass, jetzt nehmen mich schon die Kinder wahr.&#8221; Mir ist bereits aufgefallen, dass die Menschen beim Einkaufen und auch die, die man auf dem Gehsteig trifft einem bereits wieder ins Gesicht schauen. Erstens um abzusch\u00e4tzen, um man in zwei Metern Abstand aneinander vorbeikommt und zweitens wahrscheinlich auch, um zu sehen, ob mir die Nase l\u00e4uft \u2013 erstes Anzeichen von Corona;) Manche grinsen mich auch verschw\u00f6rerisch an, als w\u00e4ren wir alle in eine globale \u00dcberraschung verwickelt und w\u00fcssten alle, dass wir das nur gemeinsam bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen. Ich kann keine latent agressive Stimmung sp\u00fcren, wie das manch andere wahrnehmen. Aber hey, ich bin auch mit einem Tandem um die halbe Welt gefahren und habe so gelernt, dass mir normalerweise niemand etwas b\u00f6ses will. Viellleicht hab ich das die rosarote Radlerbrille an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Grade fahre ich wieder an ein paar Kindern vorbei und auch die schauen mich an und br\u00fcllen artig &#8220;Gr\u00fc\u00fc\u00fc\u00fc\u00fc\u00fc\u00fc\u00fceeeeezi!&#8221; Ich br\u00fclle ein &#8220;Hoi!&#8221; zur\u00fcck und erst da wird mir bewusst, dass der Zwerg mich wohl f\u00fcr gleichaltrig hielt. Denn in der Schweiz gibt es klare, auf das Alter abgestimmte Begr\u00fcssungsformeln. Und ein Zwerg m\u00fcsste mich aufgrund meines weisen Alters mit &#8220;Gr\u00fcezi&#8221; gr\u00fcssen, anstatt mit &#8220;Hoi&#8221;. Ich im Gegenzug darf auf keinen Fall mit &#8220;Gr\u00fcezi&#8221; antworten, sonst w\u00fcrde ich den oder die J\u00fcngere Siezen und das geht n\u00f6d. Man muss das erstmal verstehen, wenn die Grossis auf dem Gehsteig stehen bleiben und einen genauer betrachten, wenn man ihnen ein freudiges &#8220;Hallo!&#8221; entgegenschleudert. Die fragen sich dann n\u00e4mlich, ob sie den Namen der jungen Frau wohl vergessen haben oder gleich die ganze junge Frau \u2013 weil sonst w\u00fcrde die ja mit &#8220;Gr\u00fcezi&#8221; gr\u00fcssen, wenn man sich kennen w\u00fcrde. Ich hab das erst gecheckt, als eine Omi mal stehen geblieben ist und mich gefragt hat: &#8220;Kennen wir uns?&#8221;. &#8220;Ne.&#8221; war meine lapidare Antwort. Dann hat sie genickt und ist weiter gezottelt. Als ich meinen Schweizer Freunden die Situation schildere, kr\u00fcmmen die sich vor Lachen. Klar, \u00e4ltere Damen gr\u00fcsst man eben mit &#8220;Gr\u00fcezi&#8221;.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach diesem kleinen Ausflug in die Feinheiten der Schweizer Begr\u00fcssungsformeln, will ich nochmal zur\u00fcck zu Corona-Zeiten kommen: Ich finds super, dass die Leute auf der Strasse mich wieder wahrnehmen. Dass man artig vor dem Regal im Supermarkt auf den anderen wartet, w\u00e4hrend er oder sie seine Sachen zusammensammelt und dann erst selbst ins Regal greift, wenn man die zwei Meter Abstand einhalten kann. Klar gibt es immer Leute, die dr\u00e4ngeln. Aber dann niese ich einfach lautstark in meine Armbeuge und schwupps sind die schneller weg, als man denkt. Ich nehme das ganze als eine Zeit wahr, in der man wieder mehr aufeinander achtet. Und das finde ich eine sch\u00f6ne Seite unserer gruseligen Situation.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Mamas und Papas! sind die Besten<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie eben schon erw\u00e4hnt ist es auf unserer Wendeplatte neuerdings recht still. Dort toben sonst lautstark um die 20 Kinder Hockey spielend, auf B\u00e4ume kletternd und sich gegenseitig fangend herum. Jetzt sieht man meistens Mamis oder Papis mit ihrem eigenen Nachwuchs durch die Strasse ziehen und sich h\u00f6chstens mal mit zwei Metern Abstand mit anderen Familien austauschen. Mir fehlt dass gackernde, kicherne, schreiende Chaos auf der Wendeplatte, aber ich bin auch froh, dass es all die Eltern gibt, die sich in dieser Zeit um ihren Nachwuchs k\u00fcmmern. Mit kreativen Spielen, einem strengen Haushaltsf\u00fchrungsplan, in dem auch jedes Kind seine wichtige Aufgabe f\u00fcrs Team erf\u00fcllt oder in Form von Home Schooling. Ich stelle es mir recht herausfordernd vor im Home Office knifflige Konzepte zu entwickeln, w\u00e4hrend ein Kind unterm Schreibtisch hockt und das Stuhlbein anmalt, das n\u00e4chste lautstark die Sp\u00fclmaschine ausr\u00e4umt und das dritte durch die Wohnung br\u00fcllt: &#8220;Ich bin feeeeeeeeeeeertig. Und da ist kein Klooooooopapier!&#8221; Aber wie man es so von Eltern gewohnt ist: sie finden trotzdem eine L\u00f6sung. Auch wenn das bedeutet, dass sie noch weniger schlafen, das Konzept ein paar Tippfehler enth\u00e4lt und man eben mal eine Pizza bestellen muss (klar, um das lokale Gewerbe zu unterst\u00fctzen, aber auch um mal keine blutigen Finger verarzten zu m\u00fcssen beim gemeinsamen Kochen). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also an alle dies tapferen Muttis und Vatis: weiter so! Geniesst die Zeit mit den Kindern, die ihr sonst beim Pendeln verbringt, das Chaos, den Lagerkoller, denn bald sind sie so gross, dass sie keinen Bock mehr haben die Sp\u00fclmaschine auszur\u00e4umen. Und bleibt kreativ! Vielleicht werden sich eure Kinder an die Corona-Zeit zur\u00fcckerinnern als eine Zeit, in der ihr so viele coole Haus-Abenteuer bestritten habt, wie sonst nie wieder. Wie bei&nbsp; &#8220;Kevin allein zu Haus&#8221;, nur mit Eltern. Es gibt ja auch sooooo unendlich viele tolle Ideen im Internet, was man mit den Kids alles machen kann. Manches kann man auch heimlich als Erwachsene mal wieder unternehmen. Zum Beispiel bunte Wimpel f\u00fcr den Balkon basteln \u2013 ich hab mein inneres Kind n\u00e4mlich immer dabei.&nbsp; Und ein letztes&nbsp; noch: Ist es nicht herrlich, dass auch die Wetsch\u00e4tzung f\u00fcr die Erzieher*Innen und Lehrer*Innen steigt, weil man jetzt mal sieht, was das alles an Vor-und Nachbereitung braucht und dass Textaufgaben gar nicht so Pipi sind. Erinnern wir uns daran, wenn alles wieder &#8220;normal&#8221; ist.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Reicht es f\u00fcr eine neue Gesellschaft?<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8220;Normal&#8221; sollte es aus meiner Sicht eigentlich gar nicht mehr werden. Das klingt jetzt pathetisch bis weltfremd, aber ich sehe an so mancher Stelle, dass sich unsere Gesellschaft auf Dinge besinnt, die bis anhin nicht mehr so en vogue waren. Zusammenhalt, Solidarit\u00e4t, nach-dem-anderen-Fragen, sich k\u00fcmmern, die Natur sch\u00e4tzen, sich-fragen-was-man-wirklich-will-im-Leben, Entschleunigen und all die anderen W\u00f6rter, die man da so finden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>&#8220;Stille ist nichts f\u00fcr Feiglinge&#8221; <\/p><cite>Niklaus Brantschen<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">und ich muss ihm da v\u00f6llig recht geben. Pl\u00f6tzlich haben wir Zeit, um uns mit uns zu besch\u00e4ftigen. Das ist nicht immer so angenehm. Und trotzdem wichtig. Meine Theorie ist ja, dass uns das allen mehr davon gut t\u00e4te. So versuche ich jeden Tag eine kleine Mediation zu machen. Ist nicht einfach und manchmal ist es so laut in meinem Kopf, dass sich dabei \u00fcberhaupt keine Stille einstellt. Aber ich bleib mal dran. So als Hobby- Meditatorin.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sterben in Zeiten der Stille<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Tante ist gestorben. Sie hatte erst ein Jahr entdeckten Krebs und ist in (die) Stille gegangen.&nbsp; Zuhause, im Rahmen ihrer vier Kinder, ihres Mannes und ihrer eigenen Mutter. Das war drei Wochen nachdem die \u00c4rtze sie nach Hause geschickt haben, weil sie keine Therapiem\u00f6glichkeiten mehr sahen. Sie hat gelitten und ihre Familie sagt, dass es gut war, dass sie gehen durfte.&nbsp; Um ihr noch mehr Schmerz zu ersparen. Ich bekomme das alles nur \u00fcbers Telefon mit. Die Grenzen sind zu, ich bin in der Schweiz, meine Familie in Deutschland. Es ist recht surreal, wenn der Verstand versucht eine Tatsache zu verstehen, die so gravierend ist. Ich bin einfach nur schockiert, nicht traurig. Ich suche in mir nach Zeichen der Trauer und kann keine finden. Die Beerdigung findet mit 10 Menschen statt. Ich kann nicht dabei sein. Daf\u00fcr fahren Daniel und ich auf einen Pass in der Schweiz und machen unser eigenes kleines Ritual. Denn es ist wichtig physisch aktiv zu werden, um Abschied nehmen zu k\u00f6nnen. Es nur in Gedanken verstanden zu haben, ist nicht dasselbe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich muss an all die Menschen denken, die ohne ihre Angeh\u00f6rigen sterben mussten. Im Beisein von Fremden, die sich um sich k\u00fcmmern, dabei aber Schutzkleidung tragen m\u00fcssen. Ich frage mich, wie es ist seine letzten Stunden in einer sterilen Umgebung zu verbringen, in der alles irgendwie nach Science Fiktion aussieht mit Masken, Plastik, blinkenden Ger\u00e4ten. Ich muss mal wieder feststellen: \u00c4rzte vollbringen in diesen Tagen \u00fcbermenschliches. Vor allem, wenn sie die Entscheidung treffen m\u00fcssen, wer beatmet wird und wer nicht. Sie entscheiden sonst schon immer irgendwie \u00fcber Leben und Tod mit, aber in dieser Situation erst recht. Und da bleibe ich gerne zuhause, wenn es dabei hilft, dass sie nicht entscheiden m\u00fcssen. Das ist meine eigentliche Motivation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Ritual erz\u00e4hle ich Daniel ein paar Anekdoten, die ich mit meiner Tante erlebt habe. So ist sie irgendwie doch mit uns auf dem Pass unter dem weiten blauen Himmel und es ist ein friedlicher Moment. Wir werden sie alle vermissen, aber das wird f\u00fcr mich real erst werden, wenn ich an Weihnachten am Tisch sitze und ihr helles Lachen nicht durch den Raum schallt. Wenn ich Anfang Dezember vergeblich auf den Adventskalender warte, den sie mir stoisch auch noch mit meinen \u00fcber 30 jedes Jahr verl\u00e4sslich am 4. oder 5. Dezember hat zukommen lassen und ich dann die diebische Freude empfand gleich 4 oder 5 T\u00fcrchen aufmachen zu d\u00fcrfen. Ich bin froh, dass ich ihr immer gesagt habe, wie sehr ich mich \u00fcber die Aufmerksamkeit freue. Denn jetzt k\u00f6nnte ich es nicht mehr. Wieder einmal stehe ich erf\u00fcrchtig vor dem Leben und werde mir bewusst, wie verletzlich wir alle sind. Ich habe dieses Gef\u00fchl oft in den Bergen. Wenn wir mehrere Tage unterwegs sind und dann schlechtes Wetter einbricht und ich verstehe welch d\u00fcnner Faden uns mit dem Leben verbindet. Zu sp\u00fcren, dass ich mit allem verbunden, aber eben nur ein klitzekleines Teilchen in einer unendlichen Zeit bin. Das r\u00fcckt meine eigene Wahrnehmung immer wieder zurecht und l\u00e4sst mich dankbar sein f\u00fcr all die Momente, die ich erleben darf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So erlebe ich auch diese Situation als etwas, aus dem ich lernen kann. Mich nicht in der F\u00fclle der Ablenkungen zu verlieren, sondern ab und zu bewusst einfach in der Stille zu sitzen. Zu lauschen. Wie es mir geht, wie die V\u00f6gel draussen ein Konzert veranstalten, wie es draussen eben gerade auch still ist. Bei all den schlimmen Auswirkungen ist es magisch. Auch wenn ich mich kaum traue das zu sagen, bei den Dingen, die in \u00e4rmeren L\u00e4ndern noch dazukommen werden. Aber das ist leider auch in normalen Zeiten nicht anders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und ich hoffe ich finde einen Weg nach der grossen Stille ab und zu die kleine Stille zu suchen. Nur f\u00fcr mich und doch auch irgendwie f\u00fcr alle.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" data-attachment-id=\"5017\" data-permalink=\"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/2020\/05\/06\/das-leben-in-zeiten-der-stille\/img_2589\/#main\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2589-scaled.jpg?fit=2560%2C1920&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"2560,1920\" data-comments-opened=\"0\" data-image-title=\"IMG_2589\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2589-scaled.jpg?fit=620%2C465&amp;ssl=1\" src=\"https:\/\/i1.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2589-scaled.jpg?fit=620%2C465\" alt=\"\" class=\"wp-image-5017\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2589-scaled.jpg?w=2560&amp;ssl=1 2560w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2589-scaled.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2589-scaled.jpg?resize=1024%2C768&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2589-scaled.jpg?resize=1536%2C1152&amp;ssl=1 1536w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2589-scaled.jpg?resize=2048%2C1536&amp;ssl=1 2048w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2589-scaled.jpg?resize=507%2C380&amp;ssl=1 507w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2589-scaled.jpg?w=1240&amp;ssl=1 1240w, https:\/\/i0.wp.com\/wanderwonder.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/IMG_2589-scaled.jpg?w=1860&amp;ssl=1 1860w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">P.S.: Wer absolut keine Lust hat sich weiter mit dem Thema Corona auseinanderzusetzenoder eine Pause braucht, dem empfehle ich das Buch &#8220;Die Liebe in Zeiten der Cholera&#8221; des Literaturnobelpreistr\u00e4gers Gabriel Garc\u00eda Marquez, an dessen Titel der Blogeintragtitel angelehnt ist. &#8220;Hundert Jahre Einsamkeit&#8221; find ich eigentlich noch besser von Marquez. 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Ich pers\u00f6nlich komme ganz gut mit dem neuen Leben klar, aber ich habe ja auch gut reden als systemrelevante Teilzeit-Biob\u00e4uerin, die tandembedingt an Isolation mit Daniel gewohnt ist und eh schon immer gern &hellip; <a href=\"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/2020\/05\/06\/das-leben-in-zeiten-der-stille\/\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Das Leben in Zeiten der Stille<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[5],"tags":[388,392,391,389,390],"class_list":["post-4996","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-wondering","tag-corona","tag-nachdenken","tag-pause","tag-stille","tag-stress","without-featured-image"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p79KqJ-1iA","jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4996","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4996"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4996\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5022,"href":"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4996\/revisions\/5022"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4996"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4996"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wanderwonder.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4996"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}